„VS Code mit GitHub Copilot und Claude Code: Installation und Überblick“

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Schwierigkeitsgrad: Anfänger – Grundlegende PC-Kenntnisse reichen, keine Programmiererfahrung nötig

Enthält: Installation von VS Code, Einrichtung von GitHub Copilot und Claude Code, Funktionsvergleich beider Erweiterungen, Preismodelle, Entscheidungshilfe

Zwei Wege zur KI-gestützten Arbeitsumgebung

Visual Studio Code (VS Code) ist der weltweit meistgenutzte Code-Editor – kostenlos, quelloffen, verfügbar für Windows, macOS und Linux. Durch seine Erweiterbarkeit lässt sich VS Code zu einer vollwertigen KI-Arbeitsumgebung ausbauen. Die zwei relevantesten Optionen dafür: GitHub Copilot (von Microsoft/GitHub) und Claude Code (von Anthropic).

Beide Erweiterungen bringen einen KI-Agenten direkt in den Editor. Beide können Dateien lesen, bearbeiten und erstellen. Beide verstehen natürliche Sprache. Aber sie unterscheiden sich in Philosophie, Ökosystem und Preisstruktur – und damit in der Frage, für wen sie die bessere Wahl sind.

Dieser Artikel erklärt beide Optionen neutral und hilft bei der Entscheidung.

VS Code installieren

Falls VS Code noch nicht vorhanden ist – die Basisinstallation dauert unter fünf Minuten.

Voraussetzungen

  • Windows 10/11 (64-Bit), macOS oder Linux
  • Etwa 300 MB freier Speicherplatz
  • Internetzugang (für Erweiterungen und KI-Kommunikation)

Schritt für Schritt

1. Die Webseite code.visualstudio.com aufrufen und den Installer herunterladen.

2. Installationsdatei öffnen und den Anweisungen folgen. Standard-Einstellungen genügen.

3. VS Code starten. Die Oberfläche ist sofort einsatzbereit.

VS Code selbst enthält keine KI-Funktionalität. Diese wird über Erweiterungen (Extensions) hinzugefügt – im nächsten Schritt.

Option 1: GitHub Copilot

Was es ist

GitHub Copilot ist eine KI-Erweiterung von Microsoft/GitHub, die als „KI-Pair-Programmer“ konzipiert ist. Ursprünglich ein reines Autovervollständigungs-Tool, bietet Copilot seit März 2026 auch einen vollwertigen Agent-Modus, der mehrstufige Aufgaben autonom bearbeiten kann.

Installation

1. In VS Code die Extensions-Ansicht öffnen (Strg+Shift+X).

2. Nach „GitHub Copilot“ suchen und die offizielle Erweiterung von GitHub installieren.

3. Nach der Installation mit einem GitHub-Konto anmelden. Ein kostenloses GitHub-Konto reicht für den Free-Tier.

4. Den Copilot-Chat über das Seitenleisten-Icon oder Strg+Shift+I öffnen.

Funktionsumfang

Code-Vervollständigung (Inline): Während des Tippens schlägt Copilot automatisch die nächsten Zeilen vor. Ein Tab-Druck übernimmt den Vorschlag. Das funktioniert in allen gängigen Programmiersprachen und auch in Markdown, JSON oder YAML.

Chat-Modus: Fragen an die KI stellen, Code erklären lassen, Fehler debuggen. Der Chat kennt den aktuell geöffneten Workspace und kann auf Dateien verweisen.

Agent-Modus: Die autonome Arbeitsweise. Eine Aufgabe wird beschrieben, und Copilot plant eigenständig die Umsetzung: welche Dateien bearbeitet werden müssen, welche Terminal-Befehle nötig sind, wie Fehler behoben werden. Der Agent iteriert selbstständig, bis die Aufgabe erledigt ist – oder fragt bei Unklarheiten nach.

Coding Agent (asynchron): Für GitHub-Nutzer gibt es zusätzlich einen autonomen Agenten, der GitHub Issues entgegennimmt und im Hintergrund einen Pull Request erstellt. Das läuft ohne offenen Editor – rein über GitHub.

Preise (Stand: Juli 2026)

  • Free: 2.000 Code-Vervollständigungen + 50 Premium-Requests pro Monat. Agent-Modus enthalten.
  • Pro (10 USD/Monat): Unbegrenzte Vervollständigungen, 300 Premium-Requests. Bestes Preis-Leistungs-Verhältnis für Einzelnutzende.
  • Pro+ (39 USD/Monat): 1.500 Premium-Requests, Zugang zu allen Frontier-Modellen.
  • Business (19 USD/Nutzer/Monat): Für Teams mit zentraler Verwaltung.
  • Enterprise (39 USD/Nutzer/Monat): Zusätzlich Knowledge Bases und erweiterte Sicherheitsfeatures.

Premium-Requests werden für Agent-Modus und größere Modelle verbraucht. Die Kosten variieren je nach gewähltem Modell (z. B. Claude Sonnet kostet 1× Request, GPT-4o ebenfalls, Claude Opus 3× Requests).

Verfügbare Modelle

  • GPT-4o und GPT-4.1 (OpenAI) – Standard
  • Claude Sonnet 4 und Claude Sonnet 4.5 (Anthropic)
  • Gemini 2.5 Pro (Google)
  • o3 und o4-mini (OpenAI, für Reasoning-Aufgaben)

Das Modell lässt sich pro Interaktion wechseln.

Option 2: Claude Code

Was es ist

Claude Code ist das agentische Coding-Tool von Anthropic – dem Unternehmen hinter dem Sprachmodell Claude. Die VS-Code-Erweiterung bringt einen autonomen Agenten direkt in den Editor, der mit dem Dateisystem arbeitet, Terminal-Befehle ausführt und mehrstufige Aufgaben selbstständig umsetzt.

Claude Code existiert auch als CLI (Kommandozeilen-Tool) und als Desktop-App. Die VS-Code-Erweiterung ist eine grafische Oberfläche über dem gleichen System – mit dem Vorteil, dass Diffs direkt im Editor angezeigt und bestätigt werden können.

Installation

1. In VS Code die Extensions-Ansicht öffnen (Strg+Shift+X).

2. Nach „Claude Code“ suchen und die offizielle Erweiterung von Anthropic installieren (Publisher verifizieren – es gibt Drittanbieter-Klone).

3. Nach der Installation das Claude-Code-Icon in der Seitenleiste anklicken und sich mit dem Anthropic-Konto anmelden.

4. Ein aktives Claude-Abo (mindestens Pro) oder ein API-Key ist erforderlich. Die kostenlose Claude-Tier enthält Claude Code nicht.

Funktionsumfang

Agentisches Arbeiten: Claude Code ist von Grund auf als autonomer Agent konzipiert. Eine Aufgabe beschreiben, und der Agent liest relevante Dateien, plant die Umsetzung, führt sie durch und iteriert bei Fehlern. Kein Unterschied zwischen „Chat“ und „Agent“ – alles ist agentisch.

Dateisystem-Zugriff: Lesen, erstellen, bearbeiten und löschen von Dateien im Workspace. Terminal-Befehle ausführen. Verzeichnisstrukturen anlegen.

Diff-Ansicht: Änderungen werden als Diff dargestellt und können einzeln bestätigt oder abgelehnt werden.

MCP-Unterstützung: Claude Code bringt einen eingebauten MCP-Server mit, der VS-Code-Diagnostics (Fehler, Warnungen) an das Modell weitergibt. Weitere MCP-Server lassen sich konfigurieren.

Kontext über @-Mentions: Dateien, Ordner oder Textauswahlen können per @-Syntax direkt referenziert werden.

Preise (Stand: Juli 2026)

Claude Code ist kein eigenständiges Produkt mit eigenem Preis – es ist Teil des Claude-Abonnements:

  • Free (0 USD): Claude Code ist nicht enthalten.
  • Pro (20 USD/Monat): Claude Code enthalten. Rate-Limits auf Basis eines 5-Stunden-Fensters.
  • Max 5× (100 USD/Monat): 5-faches Nutzungslimit gegenüber Pro.
  • Max 20× (200 USD/Monat): 20-faches Nutzungslimit.
  • Team (25 USD/Nutzer/Monat): Für Teams mit zentraler Abrechnung.
  • API (nutzungsbasiert): Abrechnung pro Token. Haiku ab 1 USD/MTok Input, Sonnet ab 3 USD/MTok, Opus ab 15 USD/MTok.

Wichtig: Im Unterschied zu GitHub Copilot gibt es bei Claude Code keine feste Anzahl an Requests pro Monat. Stattdessen gelten dynamische Rate-Limits, die sich am Nutzungsvolumen innerhalb eines 5-Stunden-Fensters orientieren. Bei intensiver Nutzung kann es zu temporären Wartezeiten kommen.

Vergleich: Copilot vs. Claude Code

  • Copilot ist tief in GitHub integriert (Issues, Pull Requests, Repositories, Actions). Wer bereits mit GitHub arbeitet, profitiert am meisten.
  • Claude Code ist plattformunabhängig. Kein GitHub-Konto nötig, keine Bindung an ein bestimmtes Repository-System.
  • Beide bieten autonome Agenten, die mehrstufig arbeiten.
  • Claude Code gilt in der Entwickler-Community als der stärkere Agent für komplexe, dateiübergreifende Aufgaben (Stand Mitte 2026).
  • Copilot punktet bei der Integration in bestehende GitHub-Workflows (Issue → Agent → PR).
  • Copilot: Mehrere Anbieter (OpenAI, Anthropic, Google).
  • Claude Code: Ausschließlich Claude-Modelle (Haiku, Sonnet, Opus).
  • Copilot: Vorhersagbare Kosten (feste Anzahl Premium-Requests pro Monat).
  • Claude Code: Dynamische Limits. Günstig bei moderater Nutzung, kann bei Intensivnutzung schnell teurer werden als Copilot.
  • Copilot: Kostenloser Einstieg möglich (Free-Tier mit 50 Requests).
  • Claude Code: Mindestens Pro-Abo (20 USD/Monat) erforderlich. Keine kostenlose Option.
  • Copilot: Primär auf Softwareentwicklung ausgerichtet, kann aber auch mit Markdown, Dokumentation und Datenformaten arbeiten.
  • Claude Code: Ebenfalls entwicklerfokussiert, aber durch Claude-Modelle besonders stark bei längeren Texten, Analysen und strukturierter Dokumentation.

Entscheidungshilfe

GitHub Copilot wählen, wenn:

  • Bereits ein GitHub-Konto und GitHub-Workflows vorhanden sind
  • Ein kostenloses Ausprobieren gewünscht ist (Free-Tier)
  • Vorhersagbare monatliche Kosten wichtig sind
  • Code-Vervollständigung beim Tippen (Inline-Suggestions) gewünscht ist
  • Verschiedene Modelle je nach Aufgabe gewechselt werden sollen

Claude Code wählen, wenn:

  • Der Fokus auf autonomen, mehrstufigen Aufgaben liegt
  • Claude als bevorzugtes Modell bereits genutzt wird
  • Komplexe Refactoring-Aufgaben oder dateiübergreifende Änderungen häufig vorkommen
  • Kein GitHub-Ökosystem im Einsatz ist
  • Die stärksten Reasoning-Fähigkeiten für anspruchsvolle Aufgaben benötigt werden

Beide gleichzeitig nutzen? Ja, das ist möglich. Copilot für Inline-Vervollständigung und schnelle Fragen, Claude Code für komplexe Agenten-Aufgaben – viele Nutzende kombinieren beide in der Praxis.

Abgrenzung zu Kiro

Sowohl Copilot als auch Claude Code sind Erweiterungen, die VS Code um KI-Fähigkeiten ergänzen. Kiro (siehe separater Artikel) ist dagegen eine eigenständige Anwendung mit eigenen Konzepten:

  • Steering (persistente Arbeitsanweisungen)
  • Skills (vordefinierte Multi-Schritt-Agenten)
  • Hooks (automatische Reaktionen auf Ereignisse)
  • Spec-driven Workflow (Anforderungen vor Umsetzung)

Wer diese strukturierten Konzepte benötigt, ist mit Kiro besser bedient. Wer eine bestehende VS-Code-Installation um KI erweitern möchte, ohne das Tool zu wechseln, greift zu Copilot oder Claude Code.

Was kann schiefgehen?

„Die Erweiterung reagiert nicht“: Häufigste Ursache: Kein aktives Abo oder abgelaufene Anmeldung. In den Einstellungen den Login-Status prüfen.

„Der Agent ändert Dateien, die nicht geändert werden sollen“: Beide Tools arbeiten im geöffneten Workspace. Lösung: Den Workspace auf den relevanten Ordner beschränken. Dateien, die nicht bearbeitet werden sollen, können per `.gitignore` oder Einstellungen ausgeschlossen werden.

„Die Ergebnisse sind inkonsistent“: Ohne persistente Anweisungen (wie Kiros Steering) muss der Kontext bei jedem Prompt neu mitgegeben werden. Tipp: Relevante Dateien über @-Mentions oder durch Öffnen im Editor in den Kontext holen.

„Die Kosten laufen aus dem Ruder“ (Claude Code): Bei intensiver Nutzung können die Rate-Limits überschritten werden, was zu Wartezeiten führt – oder bei API-Nutzung zu hohen Rechnungen. Empfehlung: Mit dem Pro-Plan starten und die tatsächliche Nutzung beobachten.

„Copilot schlägt schlechten Code vor“: Die Inline-Suggestions sind Vorschläge, keine Wahrheiten. Immer prüfen, bevor ein Vorschlag übernommen wird. Der Agent-Modus ist verlässlicher, weil er selbst testet und iteriert.

Datenschutz

  • Code-Snippets werden an GitHub/Microsoft-Server übertragen
  • Im Business/Enterprise-Tier: Kein Training auf Kundendaten, IP-Indemnity
  • Im Free/Pro-Tier: Opt-out für Telemetrie verfügbar, aber Snippets werden übertragen
  • Prompts und Dateiinhalte werden an Anthropic-Server übertragen
  • Im Pro-Plan: Keine Nutzung für Modelltraining (laut Anthropic-Policy)
  • Bei API-Nutzung: Daten werden standardmäßig nicht für Training verwendet

Für beide Tools gilt: Sensible Daten (Credentials, Personaldaten, interne Strategiedokumente) sollten nicht im Workspace liegen. Vor dem Einsatz in regulierten Umgebungen: Abstimmung mit IT-Security.

Quellen

  • GitHub: „Plans for GitHub Copilot“ – github.com/features/copilot/plans, abgerufen am 11.07.2026
  • Microsoft: „Agent mode is now generally available with MCP support“ – devblogs.microsoft.com, abgerufen am 11.07.2026
  • Anthropic: „Use Claude Code in VS Code“ – docs.claude.com/en/docs/claude-code/vscode, abgerufen am 11.07.2026

Transparenzhinweis: Dieser Artikel basiert auf meiner Praxiserfahrung als IT-Projektleiter. Bei der sprachlichen Ausarbeitung, Strukturierung und Ergänzung von Beispielen wurde KI-Unterstützung (u. a. Claude) eingesetzt. Alle Inhalte wurden von mir redaktionell geprüft und freigegeben.

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